Praxisnähe ist ein zentraler Erfolgsfaktor in der beruflichen Bildung. Durch regelmäßige Lehrerbetriebspraktika in Form von Hospitationen und Mitfahrten im realen Eisenbahnbetrieb bleiben unsere Lehrkräfte fachlich auf dem aktuellen Stand. Diese Erfahrungen kommen unmittelbar den Auszubildenden zugute und stärken zugleich die enge Zusammenarbeit mit den ausbildenden Verkehrsunternehmen.

Lokführer für einen Tag (Herr Strauß)
„Im November 2025 konnten wir mit Unterstützung der Länderbahn eine Führerstandsmitfahrt von Zwickau bis Zwotental unternehmen – diesmal nicht „nur“ in der Rolle des Lehrers, sondern als neugieriger Fahrgast im Führerstand. Ja, auch Lehrkräfte bleiben nah am Ball.
Die Fahrt mit dem Triebfahrzeugführer war äußerst anschaulich und informativ. Laufend wurden Signale, betriebliche Abläufe sowie streckenspezifische Besonderheiten erläutert. Dadurch ergab sich ein sehr guter Einblick in die tägliche Arbeit eines Triebfahrzeugführers.
Auch die landschaftlichen Eindrücke waren beeindruckend: Während in Zwickau noch kein Schnee lag, waren in Zwotental bereits rund zehn Zentimeter zu sehen. In Kraslice erfolgte der Wechsel zu einem tschechischen Triebfahrzeugführer; anschließend ging es auf derselben Strecke wieder zurück nach Zwickau.
Als ergänzender Programmpunkt konnte nach kurzer Absprache eine Weiterfahrt mit demselben Triebwagen bis ins Zentrum von Zwickau erfolgen, wo dieser im Straßenbahnverkehr eingesetzt wird. Die Mitfahrt war fachlich wie persönlich sehr gewinnbringend und bereitete nebenbei auch große Freude.
Insgesamt stellte diese Erfahrung eine wertvolle Ergänzung zum praktischen Verständnis des Eisenbahnbetriebs dar. Darüber hinaus verdeutlichte sie eindrucksvoll die hohe Bedeutung von Lehrerbetriebspraktika für die Qualität der beruflichen Ausbildung. Nur durch regelmäßige, praxisnahe Einblicke in den realen Eisenbahnbetrieb können Lehrkräfte ihr Fachwissen aktuell halten und die Ausbildungsinhalte realitätsnah an die Anforderungen des Berufsalltags anpassen. Dies kommt insbesondere der Ausbildung der angehenden Eisenbahner/in im Betriebsdienst – Fachrichtungen Zugverkehrssteuerung sowie Lokführer/in und Transport – zugute.“
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Besuch im Stellwerk Leipzig-Schönefeld (Herr Strauß)
„Ebenfalls im November 2025 haben wir das mechanische Stellwerk Leipzig-Schönefeld besucht. Während des Aufenthalts konnten die grundlegenden Aufgaben und Arbeitsabläufe eines Fahrdienstleiters in einem mechanischen Stellwerk nachvollzogen werden. Besonders anschaulich war die Bedienung der Hebelwerke sowie der Weichen und Signale, ebenso wie die enge Verzahnung von Technik, betrieblichen Abläufen und betrieblicher Verantwortung.
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Als besondere Betriebssituation war die Sperrung eines Gleisabschnitts und die Durchführung von Sperrfahrten im Zusammenhang mit einer Baustelle vorgesehen. Hierfür musste eine gültige Betra (Betriebs- und Bauanweisung) beachtet werden, die die besonderen Regelungen und Einschränkungen für den betroffenen Streckenabschnitt festlegte. Im weiteren Tagesverlauf war zudem das Schreiben eines Befehls erforderlich, um notwendige Anweisungen formal korrekt an das Triebfahrzeugpersonal zu übermitteln.
Der Besuch vermittelte einen praxisnahen Eindruck von der Arbeit im mechanischen Stellwerk und verdeutlichte die Bedeutung einer sicheren und regelkonformen Abwicklung von Zug- und Rangierfahrten. Insgesamt stellte die Exkursion eine hilfreiche Ergänzung zum Verständnis der betrieblichen Grundlagen im Eisenbahnwesen dar. Sie zeigte zugleich, wie wichtig es ist, dass Lehrkräfte regelmäßig an Lehrerbetriebspraktika teilnehmen, um betriebliche Abläufe, Sicherheitsanforderungen und Verantwortlichkeiten aus erster Hand zu erleben. Diese Erfahrungen fließen unmittelbar in den Unterricht ein und tragen maßgeblich dazu bei, die künftigen Fahrdienstleiter/innen und Lokführer/innen fundiert, praxisnah und sicherheitsbewusst auf ihre spätere Tätigkeit vorzubereiten.“
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Ergänzend zu den beschriebenen Exkursionen fanden weitere Lehrerbetriebspraktika und fächerübergreifende Fortbildungen statt. Dazu zählten Praktika in der Betriebszentrale Leipzig (Elektronisches Stellwerk) und Stellwerken mit Alttechnik (DB InfraGO) sowie Führerstandsmitfahrten von Kolleginnen und Kollegen im Personen- und Güterverkehr. Diese erfolgten unter anderem auf Strecken der Länderbahn (Dresden–Görlitz), der ITL Eisenbahngesellschaft (Straßgräbchen–Hosena) sowie bei DB Regio (Halle–Magdeburg). Darüber hinaus wurde zwei Klassen die Erkundung des Güterbahnhofs Halle inkl. Ablaufbetrieb vor Ort durch den Leiter Betriebsbezirk Halle, Herrn Kaschta ermöglicht. Auch diese Erfahrungen trugen wesentlich dazu bei, betriebliche Abläufe, Schnittstellen und Besonderheiten verschiedener Verkehrsunternehmen besser zu verstehen und in den Unterricht einfließen zu lassen. Die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Schule und Praxis stellt einen wesentlichen Baustein für eine qualitativ hochwertige Ausbildung im Eisenbahnwesen dar und leistet einen wichtigen Beitrag zur Sicherung von Fachkräften im System Bahn.
Als Fachbereich für Eisenbahnberufe machen wir es uns zur Aufgabe Praxis und Theorie weiter miteinander zu verzahnen und bedanken uns ausdrücklich bei allen beteiligten Eisenbahnverkehrsunternehmen und Eisenbahninfrastrukturunternehmen, die uns diesen fachlichen Input regelmäßig ermöglichen und die die berufliche Bildung damit kontinuierlich unterstützen.
M. Ihle
Fachleiterin Eisenbahnberufe



